gestern hat ceija stojka fischsuppe gekocht. beaucoup fish. ein marienfeiertag war auch. mariä himmelfahrt wars, um genau zu sein, wo ihr körper in den himmel einfahrt, wie immer eine sich das denkt. der 227. tag im jahr. wiki sagt, es bleiben 138 tage bis jahresende. jetzt also 137 für uns, um schaun zu gehn. im wohnzimmer, hinter dem riesigen esstisch, stand eine marienstatue, mit rosenkränzen um den schultern. nach der fischsuppe kamen karpfen und kabeljau mit erdäpfeln und wir aßen sie mit den händen, um uns nicht an den gräten zu verschlucken. ceija sprach wie meine großmutter, in einem wienerisch, das ich nicht spreche, aber verstehe, in einem wienerisch, das vollgestopft ist mit namen und leben, die ich nicht kenne, die ich mir nicht annähernd vorstellen kann und die trotzdem vertraut daher kommen (die dorli, der karli und die sprach). ich war das fräulein für diesen einen nachmittag und hab zur zufriedenheit brav gegessen.
keine ahnung, was mariä himmelfahrt ist. das ist so schwammig wie alle marienfeiertage und ich wehre sie ab mit einer verächtlichen gleichgültigkeit wie alles, was aus dem eck kommt. freun tu ich mich, dass ich nicht arbeiten gehn muss. was am 227. tag 2010 eh wurscht is, weil ich in transit bin, ohne mich noch bewegt zu haben, aber zumindest aus dem korsett gefallen.
vielleicht ist es etwas ähnliches wie mariä empfängnis. das beschreibt christina von braun als das eindringen des wort gottes in marias ohr. „anders als die „vatersprache“ war die „muttersprache“ vom ohr bestimmt, von einer öffnung des körpers, die der willen nicht zu schließen vermag. in dieses „loch“ drang das wort gottes ein.“ (p. 101) wie immer eine sich das denkt. das mit dem ohr und dem hören und der hörigkeit. daraus entspinnt sich dann die geschichte eines gegensatzes. das auge und die von ihm erfassbare schrift, die sichtbaren zeichen, gegen das ohr, das der erzählung folgt, an der ein körper dranhängt. und „die vorstellung, dass christus und der körper inkarnierte buchstaben seien und dass gott bei seiner zeugung auf – oder in – den frauenkörper schreibe.“ (p. 102) ich hab das nicht alles verstanden, nur das bedrohliche, das hat sich übersetzt. das ist ja auch nicht neu. und meine ohren sind seit drei jahren verstopft und entzünden sich dann manchmal, sodass mein kopf immer wieder in eine richtung absteht. schonhaltung. meine mutter hat dieselben ohren. und die schonhaltung hat mir meine großmutter mitgegeben. e sagt, wir sollten uns einmal raustrauen. du hast recht. jedenfalls fand ich die marienstatue im wohnzimmer beeindruckend.
meine großmutter kocht keine fischsuppe und erzählen tut sie mir auch nichts mehr. ich vermisse sie. der knoblauch von ceijas fischen und ihr buch aber haben mich heute durch den tag gebracht. das, was sie mir nicht erzählt hat, hab ich hiermit nachgelesen. und im fernsehen war eine dokumentation über quallen. durchsichtige, wabernde körper mit meterlangen fingern dran, die unmerklich die meere für sich einnehmen, weil die fische als ihre konkurentinnen langsam verfischt sind. alors nicht so beaucoup fish in the end. gar nicht gut.
ceija stojka: wir leben im verborgenen. picus 1988
christina von braun: die stimme der diva. in: die verletzte diva. hysterie, körper, technik in der kunst des 20. jahrhunderts. oktagon 2000, p. 95-107