thxgiving wochenende war. die stadt in feiertagsparalyse, das letzte, was ich gebraucht hab. mein fahrrad und ich die einzig motivierten draußen, auf der strasse, meine nase auch, die tropft.
der truthahn nicht. nach fünf stunden im rohr, angestarrt, ob er unterm flügerl eh nicht mehr rot ist, ein patzenviech, der ist durch, den hat der obama bei seiner begnadigungstour übersehn. jedenfalls gibts tatsaechlich kartoffelgatsch dazu und auch süßkartoffelgatsch, spinatcreamcheeseauflauf, zwei andere sachen, unidentifizierbar, rotwein. ein tisch mit 12 leuten in einem haus am rand vom rock creek park. erika, jonathan und ich geben das kindereck und drücken den schnitt um vierzig jahre. der gastgeber schreit eine anekdote über den tisch, hin zum vater vielleicht, schon schwerhörig, oder zur mutter, die den abend über schweigt. der rumänische komponist, jetzt computertechniker, schimpft über mexikaner, die sich immer breiter machen. der gut situierte, pensionierte arzt erzählt von der armut in kairo. seine frau schildert ein highschoolprojekt, in dem biographien von shoahüberlebenden auf kleinen karten verkauft werden, um geld für den sudan zu sammeln, ein genozid für den andern. die lesbische soziologin redet von freihandelsabkommen und dem artikel, den sie darüber verfasst, um sich abzulenken, von trennung, wiedersehn und dem zeug. der in weißes t-shirt, shorts und wanderschuhe gequetschte gastgeber erzählt von verlorener liebe an eine, die nicht zurückliebt, mehr rotwein, ich starr auf das bild an der wand, ein orthodoxer jude mit bajes, gebetsriemen, tora, an einem abend, der sich winterlich anfühlt, obwohl die blätter noch dranhängen, an den bäumen, mehr rotwein, der truthahn ist zerlegt, ich bin recht langsam im mitkommen, es fragt keine_r danach, es is deren familie, kein netz an subtexten in dem ich stolpern könnt, nur dass die mutter die klotür nicht zugesperrt und ich reintrampel, entschuldigung schrei, die tür wieder zuwerf und weiter im weg rumsteh. noch mehr rotwein. der bachelor, der alle bekocht, die sonst nicht wissen, wohin mit sich. der bachelor, der immer noch wartet. umso mehr, wo die katze gestorben ist, wie ich im nachhinein hör. der bachelor hat mich mit thxgiving versöhnt.
am truthahntisch, in der bar in brooklyn mit dem elektro hintergrund, der meinen kopf nach langem wieder mit den füssen mitwippen lässt, oder im basement, ans headset geschnallt, wenn ich auf das meist verschwommene gesicht am bildschirm starr, der ort scheint recht egal:
a ist nicht zum ersten mal darüber schockiert, dass ein arbeitslosengeld nicht annähernd mindestsicherungslevel erreicht.
b zweifelt an der eigenen sexiness weil keine ideologie zu körperbehaarung.
c fürchtet sich vor februar, eigentlich jedes jahr, diesmal aber besonders, liegt am fehlen von geld und utopien.
d kuschelt sich in den presswurstmantel, weil der als einziges wärmt.
e träumt von einer kamera, mit der sich all das aus der ferne festhalten lässt.
 f denkt über wohnformen nach, die nichts mit einem gegenwärtigen alltag zu tun haben.
b, c und e gewöhnen sich langsam ans unbewohnte alleinwohnen.
c verspinnt sich in arbeit und ist nicht erreichbar.
b macht recht abstrakte kreise im denken, um dann die supermarktöffnungszeiten verpasst zu haben und sich darüber zu ärgern, dass wieder nichts im kühlschrank liegt.
e überlegt, den kühlschrank vom netz zu nehmen, weil das mit dem essen ohnehin ein krampf ist.
c fühlt sich kalt an, weiß darum, sagt aber nichts.
b erklärt beziehungsende zum meisternarrativ für all das gewurschtel.
f fürchtet sich genau vor diesem reflex und bleibt in beziehung.
d erfindet sich neu, wie letzte woche.
b und c stellen nicht zum ersten mal fest, dass die prekäre spirale seit beinah zehn jahren dieselbe ist, was schwer zusammengeht mit dem gefühlten alter.
d kann das wort polyamourös echt nicht mehr hören.
a verbucht selbständigkeit als gescheiterten berufswunsch vor fünfunddreißig.
b, c und f haben stress, weil die liste der berufswünsche noch nicht annähernd so weit abgebaut ist.
c und e kommen sich ein großes stück entgegen.
 f sagt sich aussitzen war immer schon eine strategie.
a,b,c,d,e und f wollen umarmt werden
also mein neues thxgiving dilemma: do hat mir eine schwimmbrille mitgebracht. ohne dass ich ein wort gesagt hab. to take some care of me. und ich hab halsweh und darf nicht ins wasser. vielleicht ist es die strukturelle vereinsamung einer generation. vielleicht ist es auch nur, dass alle ein wenig rumhatschen und es trotzdem versuchen.

thxgiving wochenende war. die stadt in feiertagsparalyse, das letzte, was ich gebraucht hab. mein fahrrad und ich die einzig motivierten draußen, auf der strasse, meine nase auch, die tropft.

der truthahn nicht. nach fünf stunden im rohr, angestarrt, ob er unterm flügerl eh nicht mehr rot ist, ein patzenviech, der ist durch, den hat der obama bei seiner begnadigungstour übersehn. jedenfalls gibts tatsaechlich kartoffelgatsch dazu und auch süßkartoffelgatsch, spinatcreamcheeseauflauf, zwei andere sachen, unidentifizierbar, rotwein. ein tisch mit 12 leuten in einem haus am rand vom rock creek park. erika, jonathan und ich geben das kindereck und drücken den schnitt um vierzig jahre. der gastgeber schreit eine anekdote über den tisch, hin zum vater vielleicht, schon schwerhörig, oder zur mutter, die den abend über schweigt. der rumänische komponist, jetzt computertechniker, schimpft über mexikaner, die sich immer breiter machen. der gut situierte, pensionierte arzt erzählt von der armut in kairo. seine frau schildert ein highschoolprojekt, in dem biographien von shoahüberlebenden auf kleinen karten verkauft werden, um geld für den sudan zu sammeln, ein genozid für den andern. die lesbische soziologin redet von freihandelsabkommen und dem artikel, den sie darüber verfasst, um sich abzulenken, von trennung, wiedersehn und dem zeug. der in weißes t-shirt, shorts und wanderschuhe gequetschte gastgeber erzählt von verlorener liebe an eine, die nicht zurückliebt, mehr rotwein, ich starr auf das bild an der wand, ein orthodoxer jude mit bajes, gebetsriemen, tora, an einem abend, der sich winterlich anfühlt, obwohl die blätter noch dranhängen, an den bäumen, mehr rotwein, der truthahn ist zerlegt, ich bin recht langsam im mitkommen, es fragt keine_r danach, es is deren familie, kein netz an subtexten in dem ich stolpern könnt, nur dass die mutter die klotür nicht zugesperrt und ich reintrampel, entschuldigung schrei, die tür wieder zuwerf und weiter im weg rumsteh. noch mehr rotwein. der bachelor, der alle bekocht, die sonst nicht wissen, wohin mit sich. der bachelor, der immer noch wartet. umso mehr, wo die katze gestorben ist, wie ich im nachhinein hör. der bachelor hat mich mit thxgiving versöhnt.

am truthahntisch, in der bar in brooklyn mit dem elektro hintergrund, der meinen kopf nach langem wieder mit den füssen mitwippen lässt, oder im basement, ans headset geschnallt, wenn ich auf das meist verschwommene gesicht am bildschirm starr, der ort scheint recht egal:

a ist nicht zum ersten mal darüber schockiert, dass ein arbeitslosengeld nicht annähernd mindestsicherungslevel erreicht.

b zweifelt an der eigenen sexiness weil keine ideologie zu körperbehaarung.

c fürchtet sich vor februar, eigentlich jedes jahr, diesmal aber besonders, liegt am fehlen von geld und utopien.

d kuschelt sich in den presswurstmantel, weil der als einziges wärmt.

e träumt von einer kamera, mit der sich all das aus der ferne festhalten lässt.

 f denkt über wohnformen nach, die nichts mit einem gegenwärtigen alltag zu tun haben.

b, c und e gewöhnen sich langsam ans unbewohnte alleinwohnen.

c verspinnt sich in arbeit und ist nicht erreichbar.

b macht recht abstrakte kreise im denken, um dann die supermarktöffnungszeiten verpasst zu haben und sich darüber zu ärgern, dass wieder nichts im kühlschrank liegt.

e überlegt, den kühlschrank vom netz zu nehmen, weil das mit dem essen ohnehin ein krampf ist.

c fühlt sich kalt an, weiß darum, sagt aber nichts.

b erklärt beziehungsende zum meisternarrativ für all das gewurschtel.

f fürchtet sich genau vor diesem reflex und bleibt in beziehung.

d erfindet sich neu, wie letzte woche.

b und c stellen nicht zum ersten mal fest, dass die prekäre spirale seit beinah zehn jahren dieselbe ist, was schwer zusammengeht mit dem gefühlten alter.

d kann das wort polyamourös echt nicht mehr hören.

a verbucht selbständigkeit als gescheiterten berufswunsch vor fünfunddreißig.

b, c und f haben stress, weil die liste der berufswünsche noch nicht annähernd so weit abgebaut ist.

c und e kommen sich ein großes stück entgegen.

 f sagt sich aussitzen war immer schon eine strategie.

a,b,c,d,e und f wollen umarmt werden

also mein neues thxgiving dilemma: do hat mir eine schwimmbrille mitgebracht. ohne dass ich ein wort gesagt hab. to take some care of me. und ich hab halsweh und darf nicht ins wasser. vielleicht ist es die strukturelle vereinsamung einer generation. vielleicht ist es auch nur, dass alle ein wenig rumhatschen und es trotzdem versuchen.