hergekommen bin ich um antworten zu finden. was ich jetzt hab is ein noch viel größerer berg an fragen.  f sagt er schaut auch grad prismatisch. alles is bunt und gleichzeitig. ich sag gleichzeitig ja, bunt, na ich weiß nicht. die schwimmbrille liegt in wien und meine augen sind rot geschwollen vom chlor. für die wärme einer umkleidekabine is es das wert. fürs untertauchen und nix hörn müssen und daran denken wie ich im stadthallenbad geschwommen bin in unserm ersten jahr und wusste ich muss nur drei straßen rüber, dann bin ich bei dir und wir trinken ein bier. die frau, die das umkleidekastl neben mir hat, fragt mich wie ich meine schnürlsamthose wasch, ohne dass sie eingeht. ich versteh die frage nicht. in den laundromat schmeißen halt. ich lächle. auf dem rad muss ich nachspürn, obs an den oberschenkeln eh nicht zieht. meine angst vom süßlichen sandwichbrot aufzugehn war unbegründet. die elektrolyte krieg ich aus dem bier, das fett und einsamer macht, aus einer ganz andern angst heraus. f sagt deshalb liest er so gern. weil lesen das prismatische aufdröselt. weil es die dinge grad macht. da kommt eins nach dem andern. ich schlag das buch auf, an dem ich mich grad festhalt. „with fear come the lies and the justifications that, no matter how convincing, lower our self-esteem.“ ich beschließ mir das zu merken  und unterstreich den satz mit dem bleistift. sonst schmier ich nie in meine bücher. „a novel is not an allegory. it is the sensual experience of another world. if you don’t enter that world, hold your breath with the characters and become involved in their destiny, you won’t be able to empathize, and empathy is at the heart of the novel.“  mit romanen empathisch zu sein fällt mir leichter als mit menschen. das ist der vorteil grad am alleinsein. aber keine antwort, die ich gesucht hab.  well, at least you can say it’s hilarious to try to be less self-centered when you’re mostly talking to yourself all day long.
azar nafisi: reading lolita in tehran. a memoir in books. new york 2003

hergekommen bin ich um antworten zu finden. was ich jetzt hab is ein noch viel größerer berg an fragen.  f sagt er schaut auch grad prismatisch. alles is bunt und gleichzeitig. ich sag gleichzeitig ja, bunt, na ich weiß nicht. die schwimmbrille liegt in wien und meine augen sind rot geschwollen vom chlor. für die wärme einer umkleidekabine is es das wert. fürs untertauchen und nix hörn müssen und daran denken wie ich im stadthallenbad geschwommen bin in unserm ersten jahr und wusste ich muss nur drei straßen rüber, dann bin ich bei dir und wir trinken ein bier. die frau, die das umkleidekastl neben mir hat, fragt mich wie ich meine schnürlsamthose wasch, ohne dass sie eingeht. ich versteh die frage nicht. in den laundromat schmeißen halt. ich lächle. auf dem rad muss ich nachspürn, obs an den oberschenkeln eh nicht zieht. meine angst vom süßlichen sandwichbrot aufzugehn war unbegründet. die elektrolyte krieg ich aus dem bier, das fett und einsamer macht, aus einer ganz andern angst heraus. f sagt deshalb liest er so gern. weil lesen das prismatische aufdröselt. weil es die dinge grad macht. da kommt eins nach dem andern. ich schlag das buch auf, an dem ich mich grad festhalt. „with fear come the lies and the justifications that, no matter how convincing, lower our self-esteem.“ ich beschließ mir das zu merken  und unterstreich den satz mit dem bleistift. sonst schmier ich nie in meine bücher. „a novel is not an allegory. it is the sensual experience of another world. if you don’t enter that world, hold your breath with the characters and become involved in their destiny, you won’t be able to empathize, and empathy is at the heart of the novel.“  mit romanen empathisch zu sein fällt mir leichter als mit menschen. das ist der vorteil grad am alleinsein. aber keine antwort, die ich gesucht hab.  well, at least you can say it’s hilarious to try to be less self-centered when you’re mostly talking to yourself all day long.

azar nafisi: reading lolita in tehran. a memoir in books. new york 2003

  1. gehdamedame posted this